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Einkauf 4.0 – Daten als Rohstoff der Zukunft

03. Februar 2017 By In Prozesse 0 Kommentar
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Fotolia 116508792 SDer Einkauf im Unternehmen umfasste früher, einfach gesagt, die Besorgung von Rohstoffen und Dienstleistungen. Doch seit der Begriff Industrie 4.0 salonfähig ist, werden noch ganz andere Anforderungen an den einst operativen Teil eines Unternehmens gestellt. Plötzlich soll er digitalisiert werden und strategisch handeln. Wie soll das funktionieren?

Mit Beginn der vierten industriellen Revolution haben viele Unternehmen den Entschluss gefasst, ihre Prozesse und Abläufe zu digitalisieren und zu optimieren. Angefangen bei Forschung und Entwicklung, über Kundenservice bis in den Verkauf wird heute fast alles über elektronische Wege geregelt. Auch der Einkauf fährt schon länger auf dieser Schiene und hat sich gut entwickelt. Auf seinen bisherigen Erfolgen darf sich der Chief Procurement Officer allerdings nicht ausruhen – die Märkte stehen nicht still.

Im Gegenteil, nichts ist so unbeständig wie die modernen Märkte. Durch die vielen Entwicklungen im digitalen Bereich entstehen ständig neue Möglichkeiten – sowohl im Vertrieb als auch in der Herstellung. Kunden sind plötzlich „always on“ und erwarten flexible und preisgünstige Angebote, die auch noch genau auf sie zugeschnitten sind. Controller schlagen bei Absatzprognosen mittlerweile die Hände über dem Kopf zusammen, weil Schätzungen so gut wie unmöglich geworden sind.

All das ist der Industrie 4.0 zu verdanken, die die Produktion mit Informations- und Kommunikationstechnik verbindet. Lästiges Resultat dieser Entwicklung: Prozesse sind genau aufeinander abgestimmt, flexibel an die Marktsituation anpassbar und durch die Digitalisierung so transparent, dass die Chefetage jederzeit den Überblick hat. Doch diese Vorteile kommen nicht irgendwoher. Sie verlangen nicht nur nach genauer Planung, sondern vielmehr danach, dass das ganze Unternehmen an diesem Strang zieht.

Einkauf als Alleskönner

Auch der Einkauf kommt an dieser Evolution nicht vorbei. Mit vielen unterschiedlichen Anforderungen soll er zum Multitalent im Unternehmen werden und dabei die eigene Wertschöpfung nicht vergessen.

  • Innovation
    Der Einkauf muss den Markt auf seine Innovationen hin beobachten. Er muss sie erkennen, sie einordnen und, sofern sie dem Geschäft dienen, Zugang zu ihnen verschaffen. Idealerweise schafft er es auch, die Konkurrenz am Adaptieren der Neuerung zu hindern, um den entscheidenden Vorteil im Wettbewerb zu ergattern.
  • Netzwerken
    Die Lieferungen zur Fertigung kommen freilich nicht irgendwoher. Zulieferer müssen genau beobachtet werden, um eventuelle Engpässe oder Qualitätsschwankungen zu antizipieren. Auch deren Markt steht nicht still und es tauchen ständig neue Quellen für Rohstoffe und Dienstleistungen auf.
  • Produktion
    Die Fertigung in der Industrie 4.0 ist hochflexibel und dynamisch an die Marktsituation anpassbar. Das erfordert nach genauso flexiblen Einkäufern, die die Ware genau dann beschaffen, wenn sie gebraucht wird. Autohersteller zeigen auf globalem Level, dass das durchaus möglich ist.
  • Informationsmanagement
    Zum Einkauf 4.0 kommt ein wichtiger Rohstoff hinzu: Informationen. Diese müssen effektiv besorgt, gefiltert und verwaltet werden, um in der Datenflut nicht unterzugehen. Sie liefern akkurate Aussagen über den aktuellen Markt, Lieferschwierigkeiten, Qualitätsschwankungen und sogar die Einhaltung von Compliance Richtlinien.
  • Digitales Prozessmanagement
    Da der Rest des Unternehmens auch schon digitalisiert ist, muss der Einkauf natürlich mitziehen. Nur so kann er all die oben genannten Anforderungen erfüllen und sicherstellen, dass der gesamte Betrieb so läuft wie geplant. Optimierte Prozesse reduzieren die Reaktionszeit und sorgen für den entscheidenden Vorteil gegenüber den Wettbewerbern – auch darüber muss sich der Einkäufer 4.0 im Klaren sein.

Prämisse der gesamten Digitalisierung ist die Maßgabe, Geschäftschancen so flexibel zu nutzen wie sie auftreten. Dazu ist es wichtig zu wissen, wo der Einkauf gerade steht und wo er hin soll. Ein Einbringen in die Strategieenwicklung ist also unumgänglich. Schließlich bleiben auch die bisherigen Anforderungen, wie Kostenoptimierung, Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Effizienz bestehen.

Digitaler Hürdenlauf?

Daher muss sich der Einkauf personell, organisatorisch, prozessual und technisch umgestalten und weiterentwickeln. Doch welche Hürden können dabei auftreten? Und wie können sie gemeistert werden?

  • Gigantische Datenmengen
    Wer den Markt und die Konkurrenz permanent im Auge hat, sammelt zweifelsohne eine Menge an Informationen. Diese zu filtern und nutzbar zu machen verlangt nach wohlüberlegtem Handeln. Gerade was Datensicherheit und Datenschutz angeht, werden aktuelle IT-Systeme von Experten als nur bedingt ausreichend eingestuft. Wichtig ist also, Sicherheitsstandards zu schaffen und einzuhalten, noch bevor es zu Lücken kommt.
  • Prozessorganisation
    Noch immer existieren veraltete Abläufe und Handlungsmuster, die die Umsetzung der Industrie 4.0 behindern. Unternehmen müssen sich von diesen lösen und eine neue Denkweise zur ganzheitlichen Prozessbetrachtung adaptieren.
  • Management
    Zwar ist die vierte industrielle Revolution schon in vollem Gange, jedoch mangelt es in der Chefetage oft an Verständnis für die neuen Technologien. Gerade der Umgang mit Informationen wird hier zur Barriere erklärt. Außerdem fürchten sich viele vor dem Kulturwandel und dessen Auswirkungen auf ihre Mitarbeiter. Während der letzte Punkt zwar löblich ist, behindert die fehlende Abenteuerlust und Risikobereitschaft den Weg in die Zukunft. Das Management muss hier die Impulse geben und eine Vision 4.0 gestalten, der das ganze Unternehmen folgen kann.
  • Geschäftsmodelle
    Gerade digitale Innovationen können heutzutage in der Garage eines Privatmannes entstehen. Hier besteht die Gefahr, dass sie zu spät identifiziert oder überhaupt nicht verstanden werden. Wer konsequent die alten Modelle hinterfragt, neue Entwicklungen auf Chancen untersucht oder gar selbst innoviert, wird damit wenig Probleme haben.

Wer diese Hürden meistern will, braucht eine hohe Risikobereitschaft und einen Willen zur Investition in die Zukunft. Die Revolution des Einkaufs bereitet den Weg für den Rest des Unternehmens, das die Idee der Industrie 4.0 in die Tat umsetzen will. Er ist Gatekeeper der Produktion und somit Ausgangspunkt für alle weiteren Prozesse.

Sie sind CPO und wollen ihren Einkauf digitalisieren? Sie sind CEO und suchen nach einem Wegbereiter für ihren Umstieg auf Industrie 4.0?  (niw)

Gelesen 676 mal Letzte Änderung am Freitag, 31 März 2017 12:58
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

Webseite: www.absc.de eMail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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