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Update auf Qualität 4.0

05. März 2017 By In Prozesse 0 Kommentar
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QualitätsmanagementEs war ein kleiner Schubs in die richtige Richtung, als im September 2015 die Richtlinien für die ISO 9001 aktualisiert wurden. Qualitätsmanagement, das früher analog und undurchsichtig war, soll plötzlich mit Big Data umgehen und sich in das System Industrie 4.0 integrieren. Die Aktualisierung der Richtlinien soll dabei die Rahmenbedingungen schaffen, um dem schnellen Wettbewerb und den komplexen Anforderungen gerecht zu werden. 

Eines ist klar: Wer sein Unternehmen digitalisieren will, muss sämtliche Bereiche bedenken. Nur die Customer Experience umzurüsten, hilft dem Einkauf oder dem Qualitätsmanagement herzlich wenig. Vielmehr greifen die unterschiedlichen Abteilungen eines Unternehmens ineinander, um wie ein Uhrwerk zuverlässig zusammenzuarbeiten. Denn auch das Qualitätsmanagement hat Einfluss auf die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern.

Vor allem aber nützt ein optimiertes und digitalisiertes Qualitätsmanagement dem Unternehmen als Ganzes. Wer hier richtig arbeitet, kann auf einen Schlag Produktivität steigern, Verschwendung von Materialien reduzieren und Produkt- oder Dienstleistungsqualität signifikant erhöhen. Das stimmt nicht nur den Kunden zufrieden, sondern gibt unter Umständen den entscheidenden Vorteil im Wettbewerb. Die Konkurrenz hat es somit nicht unbedingt einfacher.

Alles automatisch

Industrie 4.0 hat in allen Bereichen eine große, gemeinsame Komponente: Automatisierung. Im Qualitätsmanagement betrifft das nicht nur die Messtätigkeiten am fertigen Produkt, sondern auch die Planungsphase sowie die Fehler- und Fehlerursachenanalyse. Um die Automatisierung zuverlässig umzusetzen, braucht ein Unternehmen vor allem riesige Datenmengen. Diese besorgt es sich idealerweise aus den anderen Prozessen, die dafür natürlich auch digitalisiert sein müssen.

Aus der Forschungsabteilung fließen Daten für die benötigten Materialien zu. Der Einkauf gibt genaue Materialherkunft und -beschaffenheit weiter und die Produktion füttert das Qualitätsmanagement mit digitalen Modellen, an denen schon vor Produktionsstart in einer Simulation gearbeitet werden kann. Die Simulation birgt natürlich auch den Vorteil, dass der Auftraggeber sein Produkt bereits vorher unter die Lupe nehmen kann. Damit lassen sich seine Qualitätsanforderungen besser verstehen und spätere Anpassungen an die Herstellung werden hinfällig.

Damit ließe sich die Erstbemusterung vermeiden und wertvolle Zeit sparen. Zeit ist nicht nur sprichwörtlich Geld – im schnelllebigen Wettbewerb ist sie es wirklich.

Um die Vorteile voll auszunutzen, braucht ein Unternehmen natürlich geschultes Fachpersonal. Ein einfacher Qualitätsprüfer reicht dafür nicht mehr aus. Wer mit Big Data arbeiten will, braucht Kräfte, die mit der IT-Architektur umgehen können und über tiefgreifendes Prozess Know-How verfügen. Doch nicht nur das Personal ist maßgeblich am Erfolg beteiligt, auch die Architektur trägt einen wichtigen Teil dazu bei.

Unternehmen müssen heutzutage die Möglichkeiten der Technik ausnutzen. Digitalisierte und optimierte Prozesse sorgen für transparente Abläufe und eliminieren Redundanzen in allen Bereichen. Das ist die Voraussetzung für Industrie 4.0 – keine Abteilung kommt daran vorbei. Wenn das Qualitätsmanagement wirklich mit Simulationen arbeiten und auf Automatisierung setzen will, muss es tief in die IT-Struktur integriert werden.

Kein Personalabbau

Wer jetzt aufmerksam wird und denkt, dass mit steigendem technischen Anteil das Personal reduziert werden könne, liegt falsch. Experten werden weiterhin benötigt. Selbst mit der Änderung ISO9001:2015 benötigt die Geschäftsleitung Spezialisten für die Qualitätssicherung. Denn mit steigender Prozesskomplexität und -optimierung, werden Qualitätsmanager auch schnell zu Organisationsentwicklern und Beratern der Chefetage. Schließlich haben sie den Überblick über alle Schritte in der Produktion – von der Planung über die Fertigung bis zur Auslieferung. Überall dort, wo Fehler entstehen können, sind fähige Qualitätsmanager unabdingbar. Sie sind maßgeblich an der Qualität des Produktdesigns und der Leistungsprozesse beteiligt.

Ein Universaltalent dafür zu finden, ist schwierig. Deswegen sind Unternehmensführer gut beraten, wenn sie mehrere Experten einstellen. Zum einen für die technischen Aspekte, zum anderen für die Organisationsentwicklung.

Die Verantwortung für die Qualität allerdings geht vom Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB) aus dem alten System über zur obersten Leitung.  Das ist die Voraussetzung für eine Zertifizierung gemäß ISO9001:2015. Damit scheint der Posten des QMB obsolet, seine Aufgaben bleiben jedoch bestehen. Ein Unternehmen kann also einen Experten für diese Rolle einsetzen, die Verantwortung liegt aber bei der Unternehmensleitung.

Aus der Beschreibung der ISO9001:2015 gehen sieben Grundsätze hervor, die ein Unternehmen erfüllen muss, um das alte Qualitätsmanagement in das System der Industrie 4.0 zu überführen.

Kundenorientierung

  • Kunden sind der Mittelpunkt unternehmerischer Aktivität. Niemand fertigt ein Produkt oder bietet eine Dienstleistung an, ohne eine gewisse Zielgruppe im Auge zu haben. Somit sind sie direkt von der Qualität betroffen; ihre Erwartungen sollten idealerweise übertroffen werden.

Einbeziehung von Personen

  • Mitarbeiter aller Ebenen sind für die Qualität verantwortlich. Von der Planung über die Produktion bis zum Vertrieb – alle ziehen am selben Strang. Daher reicht es nicht, nur die Qualitätssicherung in die Pläne einzuweihen. Auch die Mitarbeiter müssen wissen, wofür sie arbeiten.

Beziehungsmanagement

  • Nicht nur zu Kunden sollte ein Unternehmen gute Beziehungen pflegen, auch die Lieferanten sind im Produktionsprozess integriert. Aktives Netzwerken ist daher unerlässlich.

Verbesserung

  • Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, stagniert. Konstante Beobachtung der Prozesse und Abläufe zeigt immer wieder Stellen, an denen noch gearbeitet werden kann. Erfolg und Entwicklung gehen Hand in Hand.

Führung

  • Die Führungskräfte in jeder Abteilung richten das Unternehmen aus und orientieren seine Ziele an den aktuellen Anforderungen des Marktes. Ein guter Leiter motiviert auch seine Mitarbeiter, auf die Unternehmensziele hinzuarbeiten.

Prozessorientierter Ansatz

  • Alle Tätigkeiten, die für ein Produkt oder eine Dienstleistung notwendig sind, müssen genau aufeinander abgestimmt sein. Auch die dazugehörigen Ressourcen müssen organisiert werden und in die Wechselbeziehung eingebracht werden.

Faktengestützte Entscheidungsfindung

  • Wer mit Big Data arbeitet, muss sie natürlich auch auswerten. Sämtliche Ergebnisse daraus bilden die Grundlage für das weitere Vorgehen. Das Verständnis von Ursache und Wirkung hilft, Folgen zu antizipieren und wirksame Maßnahmen einzuleiten.

Die Digitalisierung des Qualitätsmanagements ist an viele Faktoren gebunden. Alleine funktioniert sie nicht. Nur wer sein Unternehmen voll auf Industrie 4.0 umrüstet, wird damit Erfolg haben. Weitere Informationen finden Unternehmensleiter und Qualitätsmanager bei der ABSC GmbH. (niw)

Gelesen 290 mal Letzte Änderung am Freitag, 31 März 2017 13:48
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

Webseite: www.absc.de eMail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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