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„Chef, wir haben ein Problem!“ – Erfolgreiches Konfliktmanagement in Projekten

06. Dezember 2013 By In Grundlagen
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Konflikte beseitigen Konflikte beseitigen istock / roberthyrons

Konflikte sind etwas ganz Natürliches und kommen, wie man so schön sagt, "in den besten Familien vor". Es ist von daher weniger wichtig die Frage zu klären, ob Konflikte vorkommen, sondern wie man mit ihnen umgeht oder sogar gleich verhindern kann.

Was ist Konfliktmanagement?

Gegensätze sind wichtige Elemente des sozialen Lebens, wenn also ein Konflikt dieser Gegensätze auftaucht, ist es wichtig, dass die beiden Parteien lernen, mit ihren Unterschieden umzugehen. Unter Konfliktmanagement versteht man die Konfliktbehandlung bzw. den Eingriff (Intervention) in Konfliktsituationen. Die Eingriffe konzentrieren sich hierbei vorwiegend auf den Konfliktprozess, damit Konflikte einen guten Verlauf nehmen. 

Typische Konfliktfelder in Projekten sind Systemeinführungen oder -wechsel, der Einsatz neuer Technologien oder das Outsourcing. Quellen für Konflikte sind ebenso Produktionsstörungen oder -ausfälle. Unabhängig vom Konflikttyp handelt es sich meist zu Beginn um eine sachliche Auseinandersetzung, die im Laufe der Zeit zu einer emotionalen Auseinandersetzung eskaliert. Friedrich Glasl, hat die verschiedenen Stufen eines Konflikts in 9 Phasen eingeteilt, bei denen es drei große Abschnitte gibt:

 

Konflikteskalation nach Friedrich Glasl

 

 

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Konflikteskalation_nach_Friedrich_Glasl)

 

Das neunstufige Modell von Glasl zeigt anhand von drei Ebenen, wie Konflikte mit einer Win-Win Situation für die beiden Parteien beginnen und sich nach und nach zu einer "Lose-Lose Situation" entwickeln. Dieses Stufenmodell ist für Projektmanager von daher wichtig, da es die Basis für eine Konfliktbearbeitung ist und zur Aufstellung von geeigneten Maßnahmen dient. 

 

Konfliktanalyse und -bearbeitung - Eine Aufgabe des Projektleiters 

Zunächst einmal muss ein Konflikt erkannt und bestimmt werden. Zum Glück ist eine Anerkennung eines Konflikts kein Zeichen von Führungsschwäche mehr, diese Zeiten sind längst vorbei. Der Projektmanager verfolgt dann mit der Konfliktanalyse das Ziel die Motive und Interessen der einzelnen Konfliktparteien aus der jeweiligen Sicht zu sehen, um den Kern des Konflikts zu verstehen. Wichtig ist es dabei nicht nur den Grund, sondern auch den gesamten Ablauf des Konflikts zu analysieren.

Um Konflikte frühzeitig zu erkennen, hilft es, die Situation in einem Team auf Symptome wie unter anderem Widersprüche, Gereiztheit, Klatsch, Widerstand, Desinteresse, Unterwerfung zu untersuchen. Doch Vorsicht, viele dieser Symptome gehören zum Projektalltag und sind nicht gleich der Beweis für einen Konflikt, besonders, wenn es sich um ein einmaliges Auftreten handelt. 

Ebenso wichtig bei der Konfliktanalyse ist die genaue Betrachtung der Sozialstruktur, also wer welche Rolle hat. So kann man oft leichter nachvollziehen, warum jemand auf eine bestimmte Art gehandelt hat (z.B. Unterwürfigkeit in einem Vorgesetzten-Arbeiter Verhältnis). 

Projektleiter, die einen Konflikt regeln müssen, stehen vor der schweren Aufgabe, die Situation so zu regeln, dass keine der beiden Parteien als Verlierer aus der Situation hervor geht. Dabei ist es natürlich von großer Bedeutung, ob der Projektleiter als neutraler Schlichter agiert oder gar eine Konfliktpartei darstellt. Der Projektleiter sollte in jedem Falle folgende Grundregeln beachten: Als Führungskraft muss man persönliche Emotionen zurückstellen können. Nur so kann man handlungsfähig bleiben und analytisch eine Situation betrachten. Da dies eine äußerst schwierige Aufgabe ist, gibt es viele Programme zum Selbstmanagement, wo Projektleiter diese emotionale Intelligenz erlernen können. Des Weiteren sollte der Projektleiter stets vor Augen haben, dass das Primärziel die Lösung des Konflikts ist und erst in einem weiteren Schritt eine Konzentration auf die Ursachen oder Schuldzuweisungen vorgenommen wird. Die Klärung der Schuldfrage ist im Allgemeinen nur dann nötig, wenn ein Kollege das Arbeitsklima "vergiftet" oder das Unternehmen Schaden vom Verhalten der Person nimmt. 

 

Eine positive Konfliktkultur

Wie bereits erwähnt, Konflikte lassen sich oft nicht vermeiden. Sie lassen sich jedoch voraussehen. Ein gutes Projektmanagement setzt präventive Maßnahmen ein, da man selbst in den besten Teams nicht einfach davon ausgehen darf, dass alle Beteiligten stets positiv und kooperierend arbeiten werden. Die Bildung einer positiven Konfliktkultur spielt hier eine ausschlaggebende Rolle. Konflikte als notwendig anzusehen und einen positiven Umgang mit solchen Situationen zu üben, ist prinzipieller Bestandteil einer guten Konfliktkultur. 

 

Gelesen 4522 mal Letzte Änderung am Dienstag, 07 Januar 2014 21:11
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

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