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Projektmanagement oder Change Management?

15. Mai 2014 By In Grundlagen
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Organisationen unterliegen einem ständigen Wandel. Auslöser für Veränderungen in Organisationen sind meist Änderungen in den Rahmenbedingungen, Anpassungen an globalisierte Märkte und die damit zusammenhängende internationale Konkurrenz, veränderte Gesetze oder auch technische Innovationen.

Organisationen müssen stets flexibel auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren, wobei jeder Veränderungsprozess seine eigenen inhaltlichen Schwerpunkte hat. Was passiert jedoch, wenn der Faktor Mensch bei der Prozessänderung vernachlässig wurde? Um dieser Entwicklung vorzubeugen, kann der gezielte Einsatz von Change Management Maßnahmen eine langfristige Stabilisierung der Veränderung sichern.

Unterschiedliche Arten von Veränderungen

So unterschiedlich die Anlässe für Veränderungen in Organisationen sind, es gibt auch grundlegende Gemeinsamkeiten, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Bei Veränderungsprozessen spricht man von drei Ebenen, auf denen Veränderungen gemanagt werden müssen. Veränderungen in der Aufbauorganisation, Veränderungen in der Ablauforganisation und Veränderungen im sozialen Gefüge beziehungsweise im persönlichen Arbeitsverhalten. 

Bild 1

(Quelle: "Change Management. Veränderungsprozesse erfolgreich gestalten - Mitarbeiter Mobilisieren", Stolzenberg, Heberle, Springer Medizin Verlag Heidelberg: 2009)

Es muss eine Veränderung her… 

Grundsätzlich umfasst das Change Management die Gestaltung und Planung, die Organisation und die Umsetzung von Veränderungsprozessen in Organisationen. Die durch den Veränderungsprozess neu definierten Aufgaben und Arbeitsabläufe der Betroffenen führen oft zu Verunsicherungen und Irritationen, denen man durch umfangreiche Informationen der Betroffenen entgegenwirkt. Das zentrale Augenmerk des Change Managements liegt darin, Mitarbeiter so vorzubereiten, dass sie bereit sind, Neues zu akzeptieren und fördern. Nur so kann ein Projekt, welches weitreichende Veränderungen hervorbringt, reibungslos durch die Organisation aufgenommen werden.

Die vier Kernthemen des Change Managements umfassen dementsprechend:

  1. Entwicklung und Durchführung einer Vision
  2. Kommunikation mit den Betroffenen
  3. Beteiligung der Betroffenen
  4. Qualifizierung der Betroffenen

Das Zusammenspiel mit den Kernthemen des Change Managements und den drei Hauptphasen der Veränderung (Planung, Umsetzung, Evaluation) kann man in der folgenden Übersicht gut erkennen:

Bild 2

Unterschiede zwischen Projektmanagement und Change Management

Die beiden Konzepte - Projektmanagement und Change Management - lassen sich nicht so leicht über einen Kamm scheren. Deswegen stellen wir hier kurz die Gemeinsamkeiten und auch die größten Unterschiede zwischen deinem Projekt und dem Change Management dar. 

Zu den Gemeinsamkeiten kann man sagen, dass in beiden Konzepten Menschen einer Organisation beteiligt und unmittelbar vom Projekt oder einer Veränderung betroffen sind, weshalb sie so früh wie möglich miteinbezogen werden sollen. Das Stakeholder Management im Projekt dient unter anderem beim Change der Identifizierung von Betroffenen Mitarbeitern. In beiden Konzepten müssen Betroffene über das bevorstehende Projekt oder über den Change informiert werden, damit sie verstehen, was mit dem Projekt oder dem Change erreicht werden soll. Die Kommunikation soll auf einer regelmäßigen Basis geschehen, und zwar so, dass alle Mitarbeiter verstehen, um was es geht. Die beiden Managementkonzepte haben ebenso gemeinsam, dass Mitarbeiter für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ausgesucht werden. Auch das Ziel der beiden Konzepte ist identisch denn sowohl bei einem Projekt wie auch beim Change Management soll eine Verbesserung des Ist-Zustands erreicht werden. 

Doch wie gesagt, Projekt- und Change Management sind nicht identisch und sollten deswegen gezielt - je nach Situation – ausgewählt werden, wobei man Projekte, die eine starke Auswirkung auf den Arbeitsablauf der Mitarbeiter haben, durch ein Changemanagement begleitet werden sollten. Bei beiden Konzepten sind zwar Mitarbeiter einer Organisation von Neuerung betroffen. Changemanagement ist jedoch dann nötig, wenn die Veränderung jedoch so weitreichend ist, dass sich Mitarbeiter von ihrer Routine und ihrer Vertrautheit mit Abläufen trennen müssen. Deswegen kann man sagen, dass Change Management zwar die Qualität des Arbeitslebens verbessern möchte, jedoch mit weitreichenden Änderungen für die Betroffenen verbunden ist und gewachsene Strukturen verändert.

Wird eine Veränderung, die Auswirkungen auf die Kultur eines Betriebes hat, wie als ein Projekt ohne ein begleitendes Change-Management durchgeführt wird, besteht die Gefahr, dass die Zeitplanung zu knapp ausfällt, da sich eine Veränderung, die sich auf die Gewohnheiten der Mitarbeiter auswirkt, mehr Zeit braucht, bis sie akzeptiert ist, als die Einführung eines neuen Produkts. Ist die Zeit zu knapp kalkuliert, ist eine Resignation vorprogrammiert und Mitarbeiter verfallen wieder in ihre alten Verhaltensmuster. Besonders groß ist das Risiko einer Nichtakzeptanz oder des Zurückfallens in alte Verhaltensmuster, wenn die Selbstbestimmung der Organisation sehr stark gefestigt ist und wenn es sich um weitreichende Änderungen handelt, die stark in die Prozessorganisation eingreifen. Gutes Change Management, welches den Veränderungsprozess reduziert diesen Widerstand und schafft Mitarbeiter, die bereit sind, das neu Erlernte einzubringen und am Projekterfolg mitzuwirken.

 

Gelesen 4818 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Mai 2014 15:08
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

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