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Interview mit Jack Artman

22. Mai 2014 By In Literatur
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Jack Artman ist Senior Director M&A bei der Infineon AG. Seine Aufgabe beinhaltet die Akquistion & Desinvestition, Joint Ventures und Investitionen bei Infineon Technologies AG (Ticker „IFX, DAX 30).   Seit 2004 arbeitet er für Infineon und war federführend im Transformationsprozess der Organisation beteiligt. Zusammenfassend bearbeitete er Transaktionen von über 3 Milliarden Euro. Jack Artman ist Mitglied der deutschen M&A Association (BM&A) und hat Beiträge zu Finanzbüchern und Magazinen veröffentlicht.

jack artmanVor seiner Zeit bei Infineon war Jack Artman Teil des ABN Amro Technology Investment Banking Team in San Francisco, wo er die Bereiche Halbleiterelemente und Fiberglasoptik verantwortete. Die Hauptaufgabe des Teams waren die Erstellung von Emissionskonzepten und Beratung im M&A Umfeld.

In der frühen Vergangenheit war Jack Artman ein Offizier des United States Marine Corps.

Er absolvierte zwei Studiengänge zum Bachelor of Arts in Betriebswirtschaft und Politik an der Stanford University. Seinen MBA erwarb er an der Handelshochschule Leipzig (Graduate School of Management) mit den Schwerpunkten Finanzwesen und Internationales Management.

Welche Bedeutung nimmt Projektmanagement in Ihrem Unternehmen heute und in Zukunft ein?

Projektmanagement nimmt in der täglichen Arbeit einen sehr großen Stellenwert bei der Infineon AG ein. Je nach Organisationsbereich tritt das Projektmanagement in unterschiedlichen Facetten auf: R&D  wird durch Entwicklungsprojekte bestimmt, Operations hat Kosten- und Qualitätsverbesserungsprojekte, in der IT werden neue Vorhaben mittels Projekten organisiert. Alle Projekte werden durch erfahrene Arbeitskräfte geleitet und folgen strengen internen Richtlinien. In manchen besonderen Fällen, wie M&A zum Beispiel, werden auch externe Berater eingesetzt.

Projektmanagement ist das Werkzeug, um Ziele zu erreichen und wird nicht als Selbstzweck betrieben. Eine zentrale Projektmanagement Organisation ist dahingehend nicht implementiert und es gibt weder einen zentralen Karrierepfad zur Entwicklung der Projektmanagement Fähigkeiten   noch formale Qualifikationen wie PMI, Prince 2 oder IPMA.

In wie fern haben Sie in Ihrer Rolle mit Projektmanagement zu tun?

Die Akquisition oder die Desinvestition ist ein sehr komplexes Projekt, das nur durch ein systematisches Projektmanagement bewältigt werden kann. Es enthält technische, organisatorische, rechtliche und finanzielle Aspekte die weltweit und organisationsübergreifend koordiniert sein müssen.

Welche Arten von Projekten kann man in M&A-Umfeld unterscheiden?

Im M&A-Umfeld lassen sich grundsätzlich zwei verschieden Projektarten unterscheiden:  Akquisitionen (inkl. Fusionen, Joint Ventures und Beteiligungen) und Desinvestitionen.

Bei Akquisitionen werden anderen Firmen hinzugekauft und, abhängig von den strategischen Zielen, in das eigene Unternehmen integriert.  Ein Integrationsprojekt ist deshalb ein festes Bestandteil von jeder Akquisition.

Bei Desinvestitionen handelt es sich häufig um Carve-Outs, oder den Verkauf von Firmenteilen die zuerst als zusammenhängenden Aktivitäten definiert sein müssen.  Genau so wie ein Integrationsprojekt bei Akquisitionen, ist ein Carve-Out Projekt für Desinvestitionen nötig.

Wie viele M&A-Projekte haben Sie bereits durchgeführt?

In den letzten dreizehn Jahren hat Infineon über 90 M&A Projekte absolviert. Davon habe ich rund 60 begleitet oder geführt. Viele zusätzliche Projekte habe ich zuvor als Investmentbanker durchgeführt.

Was sind die Erfolgsfaktoren in einem Carve-Out /Carve-In Projekt?

Carve-Out / In  Projekte benötigen eine sorgfältige Vorbereitung und stehen häufig unter hohem Zeitdruck, da es sich in der Regel um ein sehr hohes Investitionsvolumen handelt. Insbesondere die folgenden Faktoren spielen eine große Rolle:

  • Entscheidungsmanagement und Entscheidungskommunikation

M&A-Projekte verfügen über eine hohes Maß an Komplexität. Eine große Menge an Einflussfaktoren sind im Rahmen einer Entscheidung  zu beachten. Insbesondere im Vorfeld zu Investitions- oder Desinvestitionsentscheidungen müssen viele Faktoren beachtet und bewertet werden. Daher ist eine sehr bedeutende Disziplin das Entscheidungsmanagement und die richtige Kommunikation der Entscheidungen.

  • Organisation und Reporting

In der Durchführung eines Projektes spielen die richtige Organisation und das Berichtswesen eine große Rolle. Jedes M&A-Projekt wird daher durch einen erfahrenen Carve-In/Out Manager besetzt. Häufig bietet es sich an das Reporting durch die Installation eines Projekt-PMO zu gewährleisten. Das Berichtswesen hat regelmäßig an ein Steering Board zu erfolgen. Dies ist in der Regel bei größeren M&A Projekten durch den Vorstand besetzt.

  • Meetingstruktur und Kommunikation

M&A-Projekte haben einen großen Einfluss auf die Organisation, und damit auf die Mitarbeiter. Daher laufen solche Projekte häufig unter einem hohen Zeitdruck. Eine effiziente Meetingstruktur sowie eine klare Kommunikationslinie sind wichtige Erfolgsfaktoren in diesen Projekten.

  • Identifikation von Erfahrungsträgern

Die Identifikation der richtigen Erfahrungsträger und die Einbindung dieser in das Projekt ist ein weiterer wichtiger Punkt, um M&A-Projekte erfolgreich abzuschließen.

  • Klare Alternativen

Um Projekte zum Erfolg zu führen, ist die Identifikationen, Bewertung und klare Entscheidung für eine Handlungsalternativen ein großer Erfolgsfaktor. Organisationen mit mehreren Optionen können anders geführt werden und lassen mehr Flexibilität in den Umsetzungsszenarien, als ohne Handlungsoption.

Welches sind die größten Risiken bei M&A-Projekten?

Zwei große Risiken sind bei M&A-Projekten besonders zu beachten, beide gilt es zu managen:

  • Viele Veränderungen am Projektscope

Zu große Änderungen am Projektescope im Laufe des Projektes führen zu immensem Mehraufwand und Fehler.

  • Nicht identifizieret organisatorische Abhängigkeiten

Durch nicht identifizierte Abhängigkeiten in der Organisation kann es beispielweise bei einem Carve-Out zur Störung des zukünftigen Roadmaps von den gebliebenen Geschäft führen.

Wie stellen Sie eine kontinuierliche Verbesserung in Ihren Projekten sicher?

Am Ende von Projekten wird immer ein Lessons Learned Workshop durchgeführt. Somit ist sichergestellt, dass  Erfahrungen aus einem abgeschlossenen Projekt gesichert und in neuen Projekten angewandt werden können.

Wir möchten uns ganz herzlich für die Unterstützung bei Jack Artman für den Beitrag als Interviewpartner zum Thema Projektmanagement bedanken.

Ort:        München

Zeit:       30. März 2014

Interviewer: Thomas Eberhard, Carsten Tauss

Gelesen 5110 mal Letzte Änderung am Sonntag, 01 Juni 2014 16:21
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

Webseite: www.absc.de eMail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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