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Nutzwertanalyse – Einführung in die Arbeitsschritte

17. Februar 2013 By In Methoden
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Nutzwertanalyse Nutzwertanalyse ® iStock / CaroleGomez

Zum Alltagsgeschäft eines Projektleiters gehört es, Entscheidungen zu treffen. Es ist selbstverständlich, dass jeder Projektleiter dabei so sicher wie möglich vorgehen möchte, da eine Fehlentscheidung das Projekt negativ beeinflussen kann. Deshalb greifen Unternehmen zu Entscheidungsmethoden, die bei der Entscheidungsfindung Unterstützung bieten. Eine sehr gute Entscheidungsmethode, die sich schon oft in der Praxis bewährt hat, ist die Nutzwertanalyse. Hierbei werden Entscheidungsalternativen verglichen und der Nutzwert für jede Alternative errechnet. Die Nutzwertanalyse eignet sich besonders gut für Entscheidungen, wenn "weiche" Kriterien, also nicht in Geldwert oder Zahlen darstellbare Kriterien, vorliegen.

Die Arbeitsschritte der Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse umfasst fünf Arbeitsschritte:

1) Messkriterien aufstellen

Zunächst einmal müssen Zielkriterien aufgestellt werden. Diese können unter anderem folgende Ziele, Anforderungen, Funktionen oder Eigenschaften sein:

  • Bedienung
  • Sicherheit
  • Arbeitsgenauigkeit
  • Integrationsfähigkeit
  • Flexibilität
  • Verfügbarkeit
  • Mengenleistung
  • Oberflächengüte
  • Wirtschaftlichkeit
  • etc.

 2) Wichtigkeit der Messkriterien entscheiden

Die gesammelten Kriterien sind in der Regel nicht alle gleich wichtig, weshalb man jedem Kriterium ein Gewichtungsfaktor zuordnet, welchen man in Prozent ausdrückt. So kann man z.B. dem Kriterium A 75% Wichtigkeit zuordnen und dem Kriterium B 25%.

 

3) Bewertungsmaßstab festlegen

Da die Kriterien später mit Punkten oder Noten bewertet werden, muss ein einheitlicher Maßstab festgelegt werden. So könnte man z.B. 5 Punkte für "sehr gut", 4 Punkte für "gut", 3 Punkte für "befriedigend" usw. festlegen.

 

4) Alternativen bewerten (Teilnutzen definieren)

Als Nächstes werden die Kriterien entsprechend ihrer Wichtigkeit in einer Tabelle aufgelistet und jede zur Verfügung stehende Alternative wird anhand der Zielkriterien bewertet, indem man Teilpunkte (wie im Bewertungsmaßstab festgelegt) vergibt.

 

5) Errechnung und Rangfolgenbildung

Um eine Rangfolge zu bilden, multipliziert man nun die Wichtigkeit mit dem Teilnutzen. Hat man also eine Wichtigkeit von 30% und einen Teilnutzen von 4 Punkten, erhält man eine Gewichtung von 1,2. Abschließend bildet die Summe aller Kriterien, um die verschiedenen Alternativen in eine Rangfolge stellen zu können. Die Alternative mit den meisten Punkten gilt als die "beste" Alternative.

Um den Vorgang der Nutzwertanalyse zu verdeutlichen, gehen wir die Schritte 1 bis 5 noch mal anhand eines Beispiels durch:

Ausgangssituation: Eine Möbelhauskette sucht einen neuen Standort für die Neueröffnung einer Filiale. Dabei gibt es drei Standorte, die dem Unternehmen von Immobilienmaklern angeboten wurden. Ziel ist es, den besten Standort zu ermitteln.

Zunächst einmal werden die Kriterien für die Standortauswahl festgelegt und dann gewichtet:  

Nutzwertanalyse

Als K.O. Kriterium wurde ein Autobahnanschluss definiert. Der Standort, der nicht über einen direkten Autobahnanschluss in direkter Nähe verfügt, kommt als Alternative nicht in Frage.

In einem folgenden Schritt stellt das Unternehmen folgenden Bewertungsmaßstab fest:

Nutzwertanalyse

Bei der Beschreibung der Alternativen stellt die Möbelhauskette fest, dass eine Alternative, nämlich Bamberg wegfällt, da der Standort keinen direkten Autobahnanschluss hat. Bamberg wird also in der Nutzwerttabelle nicht aufgenommen.

Durch eine Analyse der beiden übrig gebliebenen Alternativen stellt die Möbelhauskette eine Nutzwert-Tabelle auf:

Nutzwertanalyse

Der Standort München gewinnt in diesem Beispiel mit 3,8 Punkten vor Dortmund - die Möbelkette erhält eine verlässliche Auskunft über den Nutzen dieses Standorts.

Vorteile der Nutzwertanalyse

Wie man gut an dem oben genannten Beispiel sieht, ist die Nutzwertanalyse nicht so zeitraubend, wie sie auf den ersten Blick erscheint, und ist oft eine schnellere Variante als Checklisten. Die Vergleichbarkeit der einzelnen Alternativen ist ausgesprochen gut, und weiche Faktoren werden in Zahlen wiedergegeben.

Die Gefahr, die bei der Nutzwertanalyse entsteht, ist die subjektive Bewertung bei der Vergebung der Gewichtung und bei der Vergabe des Teilnutzens. Wer die Subjektivität jedoch etwas abschwächen will, kann die Analyse von mehreren Personen durchführen lassen.

Wann sollte die Nutzwertanalyse eingesetzt werden?

Die Nutzwertanalyse macht nur für einschlägige Entscheidungen in Projekten Sinn. Um Entscheidungen, die von mehreren Personen getragen werden müssen (beispielweise die Auswahl einer Softwareanwendung mit der mehrere Personen arbeiten sollen). Hier wird man durch mehrere Nutzwertanalysen der einzelnen Key-User verschiedene subjektive Wahrnehmungen zu einem objektiven Bild zusammenfassen können und somit eine klare Entscheidungsbasis haben. Entscheidungen mit weniger Reichweite und Ausmaß werden von erfahrenen Projektmanagern auch gerne aus dem Bauch heraus getroffen. Man sollte vermeiden, immer mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, aber letztlich auch entsprechende Transparenz durch saubrere Dokumentation in getroffene Entscheidungen bringen.

Vorlagen

Im Internet findet man zahlreiche Vorlagen für die Durchführung einer Nutzwertanalyse. Wer keine eigene Excel-Tabelle entwickeln möchte, der kann sich bei folgenden Webseiten bedienen:

Gelesen 16388 mal Letzte Änderung am Montag, 18 Februar 2013 08:50
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

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