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Wenn man sich von einem Teil des Unternehmens verabschiedet – IT Projektmanagement bei Carve Outs

29. November 2013 By In Methoden
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Carve Out Projekte von IT-Strukturen, bei denen eigenständige Geschäftsteile vom Unternehmen herausgelöst werden sollen, stellen eine große Herausforderung für das Unternehmen dar. Besonders in schnelllebigen Branchen, wie der IT-Branche, werden Carve Outs mehr und mehr als gängige Praxis für Unternehmen, die eine Neuausrichtung suchen, durchgeführt. Was Unternehmen zu einem Carve Out treibt, wie sich Carve Out Projekte von anderen Projekten unterscheidet und welche Formen von Carve Outs es gibt, lernen Sie hier.

Warum sich Unternehmen für IT Carve Outs entscheiden

Im Hinblick auf die Internationalisierung und die damit zusammenhängenden Zusammenschlüsse von Unternehmen, sind viele Unternehmen in Sachen Produktportfolio sehr weit aufgestellt. Während diese Diversifizierungsstrategie noch in den 70ern ein großer Trend bei Unternehmen war, ist sie seit den 80ern schon wieder rückläufig und Unternehmen stoßen übernommene Bereiche wieder ab, um sich besser auf bestimmte Geschäftsaktivitäten konzentrieren zu können. Nach der Fokussierung sind auch oft schlechte wirtschaftliche Ergebnisse im Spiel, wenn sich unternehmen für eine Desinvestition entscheiden, wobei die problematischen Sparten lieber abgestoßen werden, anstelle eine Sanierung vorzunehmen. Als dritter Grund, weshalb Unternehmen Carve Outs durchführen kann man die Tilgung von Schulden oder den Kapitalbedarf für eine Investition in einem anderen Bereich nennen. 

Warum Unternehmen Teile ihrer Firma verkaufen, kann also viele Gründe haben, doch warum spricht man dabei nicht einfach von IT-Projekten, sondern von einem Carve Out? Was macht IT Carve Outs so anders?

 

IT Carve Out ist kein normales IT-Projekt…

Wie es der Name schon verrät, wird bei einem Carve Out Projekt Unternehmensteile "herausgeschnitzt". Ist der Teil erst mal weg, soll nicht nur die Firma, sondern auch der herausgeschnitzte Teil eigenständig funktionieren können. Dementsprechend beschäftigen sich IT Carve Outs mit der Trennung von IT-Systemen, die nicht zusammen funktionieren. Das klingt in der Theorie sehr einfach, doch in Wirklichkeit sind IT Carve Outs eine Herausforderung, da es in IT-Systemen meist zahlreiche Schnittstellen gibt und an den Käufer werden keine wirklichen Geschäftseinheiten abgegeben, sondern eher Aufgaben. 

Eine kurze Anmerkung: Die Form der Unternehmensentschmelzung, die eine Aufspaltung und den Verkauf eines Bereiches vornimmt, ist genau genommen ein "Spin-Off" und kein Carve Out.

Bei IT Carve Out Projekten unterscheidet man grundsätzlich drei unterschiedliche Formen:

  •  Ein Carve Out mit einem Finanzinvestor als Käufer, wobei die Konsequenzen für die  IT sehr gering ausfallen, da kaum Anpassungen notwendig sind und die IT-Architektur lediglich neutral aufgebaut werden muss.

 

  • Ein Carve Out mit einem externen Unternehmen als Käufer. In diesem Fall muss die IT-Struktur an die Zielstruktur angepasst werden, da das kaufende Unternehmen normalerweise bereits über eine bestehende IT-Struktur verfügt.

 

  • Ein "Merger Carve Out", d.h. ein Zusammenschluss zweiter Unternehmen zu einem neuen Unternehmen. Bei einem Mergel Carve Out einigen sich die beiden Unternehmen auf eine IT-Landschaft, wobei die IT meist an die dominierende IT-Landschaft angepasst wird.

 

Damit es mit dem Carve Out klappt - Projektphasen

Bei einem IT Carve Out spricht man von drei unterschiedlichen Phasen:

 

1. Ausgangssituation:

-          Die IT-Systemlandschaft ist ein vollwertiges Mitglied im Netz

-          Es besteht ein direkter Zugriff auf die Client Backoffice (CBO) Services und auf die Applikationen

 

Die Aufgaben während dieser Phase sind vielfältig:

a) Objektanalyse: Definition der Zielarchitektur und der Preisindikatoren, sowie bei der Kundenabstimmung.

b) Allgemeine Konzepterstellung: Erstellung von Implementierungskonzept der Zielarchitektur, Transitions- und Transformationskonzept, Kostenkalkulation und Kundenabstimmung

c) Realisierungskonzeption: Arbeitspakete und Abhängigkeiten planen, Dauer und Ressourcen für Arbeitspakete definieren, Meilensteinterminierung und –abgleich, Budgetplanung und die Darstellung kritischer Pfade

d) Realisierungsplanung: Freigabe durch den Kunden und Beauftragung durch Carve Out Unternehmer

 

Der Schritt der nun folgt ist das eigentliche Carve Out (CO). Während dieser Phase liegen die Budget- und Projektverantwortung beim Verkäufer.

 

2. Netzseparation (Transition)

-          Separiertes CO LAN /WAN (logisch)

-          Eigene CBO Infrastruktur im CO Netz

-          Autonom genutzte Applikationen im CO Netz

-          Zugriff auf Applikationen im Netz über CO Firewall

 

Wurde die Netzseparation erfolgreich durchgeführt geht man über zum Carve In und die Budget- und Projektverantwortung wird an den Käufer übergeben.

 

3. Integration (Transformation)

-          Integration der CO Objekte in das Netz des Käufers

-          Integration in CBO Infrastruktur des Käufers

-          Integration der autonom genutzten Applikationen im Käufer-Netz

-          Zugriff auf Applikationen im Netz über die Firewall des Geschäftspartners

 

Um die Phasen 2 und 3 im zeitlichen Verlauf besser darzustellen, hilft folgende Übersicht:

 

 

(CO = Carve Out, GP = Geschäftspartner)

 

Für die Durchführung erfolgreicher IT Carve Out Projekten ist es gut, wenn man sich noch mal folgende Erfolgsfaktoren vor Augen führt:

1) Ein Carve Out ist ein Großprojekt und bedarf fundierter Analysearbeit.

2) Seien Sie auf emotionalen Widerstand seitens betroffener Mitarbeiter vorbereitet und treffen Sie Vorbereitungen, wie man sie mit der Idee des Projekts vertraut machen kann.

3) Ein Carve Out ist etwas Positives. Es geht zwar um einen "Verkauf" eines Unternehmensteils, man sollte das Carve Out jedoch als aktiver Entwicklungsschritt zu sehen.

4) Ein Carve Out braucht ein transparentes Leitbild.

5) Mitarbeiter sind kontinuierlich und offen über das Projekt zu informieren. Lassen Sie keinen Freiraum für Misstrauen oder Gerüchte.

 

 

 

Gelesen 5397 mal Letzte Änderung am Dienstag, 07 Januar 2014 21:11
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

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