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SCRUM - Eine Einführung ins agile Projektmanagement

26. Februar 2013 By In Normen & Standards
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SCRUM SCRUM ® iStock / Kolbz

Überall spricht man von Scrum. Experten haben schon herausgefunden, wie vielseitig dieses Vorgehensmodell einsetzbar ist. Nahezu jeder Prozess kann mit Scrum optimiert werden und jedes Scrum-Team arbeitet effizienter als vorher und hat dabei sogar noch Spaß. Ursprünglich stammend aus der Softwaretechnik beruht der Ansatz auf der Annahme, dass moderne Entwicklungsprojekte oft zu komplex sind, um sie komplett durchzuplanen. In einem Scrum-Prozess wird diese Komplexität durch zwei bis vier Wochen lange Intervalle, sogenannte "Sprints" aufgebrochen. Die drei Hauptprinzipien von Scrum, nämlich Transparenz, Überprüfung und Anpassung, verkörpern die Werte eines agilen Projekts.

Die Werte von agilen Projekten

Im Februar 2001 wurden von einer Gruppe von Softwareentwicklern das "Agile Manifesto" festgehalten, welches auf folgenden Prinzipien beruht:

1) Individuals and interactions over processes and tools: Man weiß zwar wie wichtig definierte Prozesse und Entwicklungswerkzeuge sind, legt auf mehr Wert auf die Qualifikation und Bedürfnisse der Mitarbeitenden sowie deren Kommunikation.

2) Working Software over comprehensive documentation: Eine gut geschriebene Dokumentation ist nicht so wichtig wie die Erreichung, des eigentlichen Ziels, eine funktionierende Software.

3) Customer collaboration over contract negotiation: Statt an Leistungsbeschreibungen festzuhalten, die eventuell schon nicht mehr gültig sind, steht die fortwährende Abstimmung mit dem Kunden im Mittelpunkt.

4) Responding to change over following a plan: Da es normal ist, dass im Laufe eines Projekts Anforderungen und Rahmenbedingungen angepasst werden müssen, sollen Teammitglieder schnell darauf reagieren können.

Der Ablauf eines Scrum-Projekts

Wie sieht nun dieser agile Ablauf eines Projektes genau aus? Bei einem Scrum-basierten Projekt gliedert sich der Verlauf in kleinere Iterationen, die sich Sprints nennen. Die Sprints sind üblicherweise gleich lang, nämlich etwa zwei bis vier Wochen, und werden durch einen "Product Backlog", einer Liste periodisierter Anforderungen, bestimmt. Diese Anforderungen werden in einem ersten Sprint Planning Meetings organisiert. Bei dieser Besprechung werden also genauestens die Anforderungen ("User Stories") geklärt, damit sich das Team einen Überblick über die Anforderungen schaffen kann. Die Anforderungen im Backlog können während des gesamten Projekts in Bezug auf Größe und Priorität geändert werden. Für jeden Sprint werden im interdisziplinären Team in einem zweiten Sprint Planning Meeting die Anforderungen aus dem Backlog in Tasks, also Entwicklungsaufgaben, zerlegt und Personen zugeordnet. Diese Tasks werden dann im Sprint abgearbeitet.

Während einer Sprint-Periode gibt es zusätzlich noch "Daily Scrums" - tägliche kurze Besprechungen, bei denen jedes Projektmitglied klärt, was am vorhergehenden Tag gelaufen ist, was am heutigen Tag ansteht und ob es Probleme gibt. Diese Art von Berichterstattung sollte nicht länger als ein bis zwei Minuten pro Person dauern.
Am Ende einer Sprint-Periode findet dann das "Sprint Review" statt. Hier präsentieren die Projektmitglieder nach und nach in kurzen Live-Demos die umgesetzten Features. Achtung, diese Präsentation sollte nicht in Powerpoint geschehen und auch keiner ausgedehnten Kundendemo entsprechen. Im Sprint Review werden anschließend Planungen für den nächsten Sprint vorgenommen.

In einem Sprint-Retrospektive Meeting, welches zwischen dem Review und dem neuen Sprint Planning Meeting stattfindet, bespricht das Team am Ende den abgeschlossenen Sprint und man nutzt die Gelegenheit, um über die gemachten Erfahrungen zu reflektieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Hierbei ist es nicht üblich Kritik an Personen zu üben oder Schuldige zu finden, sondern aus Fehlern zu lernen.

Eine Scrum-Periode im Überblick sieht also so aus:

Scrum-Periode

(Quelle: Wikipedia)

Die Rollen in einem Scrum Projekt

Bei einem Scrum Projekt gibt es mehrere Rollen:

Product Owner
Seine Kernaufgaben liegen im Anforderungsmanagement, in der Zusammenarbeit im Team und dem Stakeholdermanagement. Diese Rolle ist bei komplexen Projekten meist eine Vollzeitrolle, welche häufiger auch durch eine Marketingperson besetzt wird.

Scrum Team
Das ist das eigentliche Projektteam, welches alle Aufgaben zur Erreichung des Sprint-Ziels abarbeitet. Meist handelt es sich um 5 bis 10 Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen. Die Besonderheit in Scrum Teams ist, dass diese sich selbst organisieren und die Mitarbeiter sich selbst ihre Tasks aussuchen können. Hierarchien, die von außen diktiert werden, sollen vermieden werden.

Der Scrum Master
Er arbeitet eng mit dem Scrum Team zusammen und kümmert sich um die Beseitigung von Hindernissen. Der Scrum Master ist ebenso für die Schulung der Mitarbeiter und die Überwachung des Scrum Prozesses verantwortlich. Man sollte sich vom Namen "Master" jedoch nicht irreführen lassen. Der Scrum Master dient mehr, als dass er führt. Diese Person besitzt häufig eine Scrum Zertifizierung.

Die Stakeholder
Unter Stakeholder versteht man jede Person, die ein besonderes Interesse an der Ausführung des Projekts hat (Kunden, Investoren, Management, Benutzer usw.).

Man kann sich natürlich fragen, was man eigentlich davon hat, vom alteingesessenen Projektablauf abzuweichen und Scrum Projekte in seiner Firma einzuführen.
Um Projekte erfolgreich agil umzusetzen, müssen aus kaufmännischer Sicht jedoch insbesondere die vertraglichen Rahmenbedingungen aus der klassischen Projektabwicklung angepasst werden. Aus technischer Sicht, sind insbesondere grundlegende Architekturfragestellungen in einer frühen Projektphase klar zu definieren, da insbesondere massive Architekturänderungen in späten Projektphasen bei Softwareprojekten den Aufwand immens erhöhen.
Wen, diese Rahmenbedingungen gewährleistet sind, kann der Einsatz von Scrum durchaus zu besseren und schnelleren Projektergebnissen führen. Aber wie bei allem steckt der Teufel im Detail.

Gelesen 3517 mal Letzte Änderung am Freitag, 01 März 2013 14:33
Carsten Tauss

Carsten Tauss ist Geschäftsführer der ABSC GmbH, eines Beratungs- und Realisierungspartners im Bereich Projektmanagement. Seit 2001 ist er im Umfeld des Projektmanagements aktiv und hat sowohl praktische als auch theoretische Erfahrungen in diesem Umfeld. Projekte hat er in unterschiedlichen Rollen, als Projektmanager, als Projektleiter oder auch als Berater und Trainer durchlaufen. Er hat am V-Modell XT mitentwickelt und mehrere Konferenzbeiträge in diesem Umfeld verfasst. Weiterhin ist er 2012 ins Programmkomitee der internationalen Konferenz zum S-BPM ONE (Subject oriented Business Process Management) berufen worden.  

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